Schweden im Winter

von Feb 10, 2019on Tour..., Schweden, Skandinavien10 Kommentare

Schweden im Sommer kenne ich gut, doch nun will ich Schweden im Winter besuchen. Das wünsche ich mir schon lange. Und möglichst das Polarlicht sehen.
Circa 1.800 km liegen zwischen Karlsruhe und Idre in der Provinz Dalarna in Schweden. Dennoch nehme ich die 22 Std. Anreise, mit dem Zug nach Hamburg und weiter mit dem Bus über Nacht nach Idre in Kauf. Das schlaucht zwar ganz schön, doch das herrlich im Schnee liegende Schweden und der herzliche Empfang von Till und seinem Team bei Rucksack Idre Stugor entschädigt für den entgangenen Schlaf und die steifen Knochen.

Nach einem fantastischen Frühstück, das Körper und Seele stärkt, werden wir auf unsere Hütten verteilt. Nett ist es hier. Und heimelig „hemtrevlig“ wie der Schwede sagt. Doch an die Temperaturen muss sich so ein Flachlandindianer wie ich erst einmal gewöhnen. Minus 16 ° – brrrr (ich ahne bisher nicht, dass es in den nächsten Tagen noch viel kälter werden wird).

Also, Schweden hat mich wieder – juchhu, ich war lange nicht hier. Und werde die Zeit genießen, ganz sicher.

Was hat mich eigentlich genau hier her geführt? Nun, zum einen der Wunsch, mal wieder Schweden zu besuchen und zum anderen die Idee, einen Schwedenbesuch mit einem Outdoor-Fotoworkshop zu verbinden. Ich fotografiere zwar ziemlich gerne, doch die Ergebnisse könnten wirklich besser sein. Und genau deshalb werde ich mit weiteren Teilnehmern in den nächsten Tagen von Thomas Rathay ganz viel lernen in Sachen „Richtiges Fotografieren“. Ich freue mich drauf…

Thomas ist Fotodesigner und Tourenbegleiter bei Rucksack Reisen. Er wird uns Tipps und Tricks in Theorie und Praxis zeigen. Hier im Wintersportparadies Idre werden wir in den nächsten Tagen mit Langlaufski und Schneeschuhen die Gegend erkunden und unser neu erlangtes Wissen umsetzen. Ich bin gespannt…

Back Country vom Idre Fjäll hinab ins Tal

Blende vorwählen / Zeitautomatik, Verwendung unterschiedlicher Blendenöffnungen um geringe oder große Tiefenschärfe zu erzeugen, Verwendung der ISO, unterschiedliche Perspektiven, das waren unter anderem die Themen der heutigen Theorie. Aufgabe: gleich umsetzen bei der heutigen Tagestour.

Und die geht – oh je –  vom Idre Fjäll (dem nahe gelegenen Wintersportgebiet in den Bergen) mit Back Country Ski einige Stunden und viele Kilometer durchs frisch verschneite Gelände ins Tal hinab. Wer sich hier auf gespurte Langlaufloipen freut, hat Pech gehabt. Auf diesen Back Country Dingern stand ich noch nie – und meine Langlaufkarriere ist mindestens 15 Jahr her. Ich hoffe, mit heilen Knochen unten anzukommen.
Ach ja, außerdem „Stirnlampen mitnehmen, wir werden in die Dunkelheit kommen“ war die Anweisung bevor es losging. Die heutige Foto-Aufgabe – drei Fotos aus unterschiedlichen Perspektiven (Frosch, Frontal, Vogelperspektive) – fiel bei mir heute leider aufgrund meiner höchsten Priorität „nicht auf die Nase fallen“ zum Opfer. 

Auf Back Country Ski vom Idrefjäll durch Wald und Moor...

Wissenwert:

  • Idre ist der viertgrößte Wintersportort Schwedens nach Åre, Sälen und Vemdalen
  • Die Wurzeln des Back Country Ski Langlauf liegen in Skandinavien und ist die ursprüngliche Form des Langlaufens, konzipiert für lange Touren durch die freie Wildbahn. Back Country Ski sind etwas breiter als Langlaufski und haben im Gegensatz zum herkömmlichen Langlaufski Stahlkanten. In der Skimitte befindest sich ebenso wie beim Langlaufski die sogenannte Steigzone. 
  • Ski samt Zubehör kann man zu fairen Preisen im Idre Ski Shop leihen. Bezahlen muss man erst bei Rückgabe der Ausrüstung. Alles ganz komplikationslos.
Auf Back Country Ski durch verschneiten Wald und Moorlandschaft
Heute bin ich ganz aufs Ski fahren konzentriert - Nicht schön, aber wenigstens heil die Berge runter gekommen. Foto: Thomas Rathay
Typische Briefkästen in Schweden - und nett bemalt :)
Typische Briefkästen in Schweden - und nett bemalt :)
Hier geht's nicht lang - wir müssen die andere Richtung einschlagen - Gut, dass wir die Stirnlampen dabei haben. Foto: Thomas Rathay

Einmal mit einem Hundeschlitten durch Schwedens Wälder und über zugefrorene Seen

Nicht stehen bleiben heißt die Devise - und bleib immer bei deinem Gespann!

Diesen Traum erfülle ich mir heute. Dominique ist Schweizerin, sie lebt mit Sohn und Schwiegertochter schon viele Jahre in Drevdagen / Schweden und züchtet Schlittenhunde (Wyugas Sleddogs). Sie wird mir und einigen Mitreisenden heute einen Traum erfüllen. Wir werden richtig gut und wärmend eingepackt. Mit Wollhandschuhen, Schals, Mützen und einem übergroßen Overall und Schuhen, die mindestens drei Nummern zu groß sind („Luft isoliert“), schauen wir aus wie Astronauten auf dem Weg zum Mond. Wir begrüßen die Hunde, sie spüren, dass sie gleich losrennen dürfen und stecken uns mit ihrer Vorfreude an. Nach der Einweisung und mit weichen Knien warten wir auf das Start-Kommando. Musher Dominique fährt mit ihren Gespann vorne, ich folge mit „meinen“ 5 Hunden, die es nicht erwarten können, endlich loszuspurten. 

Zunächst pocht mein Herz noch ganz dolle – nicht sicher ob ich alles richtig machen werde – bremsen zum richtigen Zeitpunkt, schauen, dass die Leinen nicht durchhängen und so weiter. Matte mit den Füßen raufheben ist zunächst garnicht so einfach, doch dann geht es gut. Matte zum Bremsen wieder runter – alles klar. Ich hab’s kapiert und fühle mich schon fast wie ein Eskimo auf der Reise ins Eis…

Ich bin erstaunt, wie viel Kraft und Energie die Tiere haben und wie freundlich und verschmust sie sind. Ich habe mich verliebt  ♥ Was auch kein Wunder ist, bei diesen blauen Augen, oder?

 

Champ - mein Champion - DANKE für deine Kraft!
Diese blauen Augen - einfach unglaublich
Schlittenhundetour durch Schwedens Winterwald
Schlittenhundetour durch Schwedens Winterwald
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Schneeschuh-Tour zum Hausberg „Städjan“

das ist er - "Städjan" in Nipfjäll - ist er nicht hübsch?
Städjan - mein schwedischer Lieblingsberg
Mit Schneeschuhen über Bach und Baumstamm balancieren

Heute geht’s mit Schneeschuhen und Kameras bewaffnet über das Nipfjäll zu Idre’s Hausberg, dem Städjan. Es ist ein herrlicher Tag mit Sonnenschein und blauem Himmel. Was allerdings auch bedeutet, dass die Temperatur sinkt. Auf – 26 °. Brr, eisig.

Dennoch, ich kann gar nicht oft genug stehen bleiben und einfach nur schauen. Denn hier auf dem Nipfjäll ist es an diesem Sonnentag einfach nur unbeschreiblich schön. Und der Städjan vor uns, den mag ich ganz besonders. Wie ein Vulkan steht er vor uns im strahlenden Sonnenschein, erhebt sich über das Fjäll und ich kann nicht anders, als ihn auf 1000 Fotos festzuhalten. Aber keine Sorge, die lade ich hier nicht alle hoch 😉

Ich bin schockverliebt in diesen wunderschönen Berg Städjan
Mit Schneeschuhen über's Nipfjäll durch den tiefen Schnee
Mit Schneeschuhen über das Nipfjäll. Foto: Thomas Rathay
Blick über das Nipfjäll
Blick vom Nipjäll in die norwegischen Berge
Ich versuche, das Gelernte beim Fotografieren umzusetzen. Foto: Thomas Rathay
Blick vom Nipjäll in die norwegischen Berge

Idre – Rucksack Idre Stugor

Licht, Lichtempfindlichkeit, Beleuchtungskorrektur, das sind unter anderem die Themen im Fotokurs. Wann und wie setze ich die Belichtungskorrektur ein? Wie fotografiere ich bei Dunkelheit? Worauf muss ich achten, wenn ich das vin innen beleuchtete Tipi fotografisch festhalten will? Was bedeutet die ISO, also die Lichtempfindlichkeit des Sensors und wie setze ich sie ein?

Nun denn, dies werde ich also demnächst alles mal testen. Und auch Richtungen im Bild – was hat positive Wirkung und was negative? Außerdem: Setze dominante Formen ins Bild wie zum Beispiel Linie, Dreieck, Rahmen… Hm, ich muss also meinen fotografischen Blick schulen. Ich stelle fest, es ist gar nicht so einfach, bei all den wunderbaren Eindrücken, die jeden Tag auf mich einströmen, einen Blick für’s richtige Foto zu finden. Und außerdem die richtige Einstellung am Fotoapparat, uff.

So werde ich mir heute rund um Idre mal einen Eindruck verschaffen zum Ort, zur Gegend und zu meinem Fotoequipment…

Blick vom zugefrorenen See auf Idre Stugor
Seltsame Verkehrszeichen mitten im Wald - ah nein, Skitrailmarkierungen
Idresjön - mit 40 cm Frosthaube
Rucksack Idre Stugor am Abend mit Lagerfeuer im Tipi
Idre Kyrka - Idres protestantische Kirche - Innen wie außen unbedingt einen Besuch wert
Eisangeln auf dem 40 cm dick zugefrorenen Idresjön
Lagerfeuer - hm, mit Waffeln und Glühwein - was will man man mehr?
Typisch wohnen in Schweden - sogar mit Mittsommerstange (midsommarstång) oder Maistange (majstång)
Der zugefronene Idresjön, direkt vor unserem Camp
Und ganz unverhofft: Mama Elch mit Kind vor unserer Haustüre. Foto: Thomas Rathay

Schneeschuhtour zum Njupeskär im Fulufjäll

Der Njupeskär und ich :) - schon etwas unheimlich hier unten. Es kracht und knirscht...
Vereister Njupeskär im Fulufjäll

Unser heutiges – sportliches und auch fotografisches – Ziel ist der Njupeskär. Er liegt im Nationalpark Fulufjäll, nur ca. eine Autostunde von unseren Camp entfernt und ist mit 125 Metern Höhe der höchste Wasserfall Schwedens.

90 Meter soll das Wasser hier im freien Fall rauschen. Na ja, im Sommer jedenfalls. Doch jetzt im Winter ist der Njupeskär eine riesige Eisskulptur. Sicher auch ein beliebtes Ziel von Eiskletterern. Der Njupeskär wird gespeist aus zwei Seen, dem Storrörsjön und dem Lissrörsjön. Gut auch an den beiden Farben zu erkennen. Einer der Seen ist wohl eher ein Moorsee, daher die gelbliche Farbe.

Wir starten am Fulufjäll-Besucherzentrum und stapfen mit unseren Schneeschuhen durch das Fulufjäll durch die tief verschneite Moorlandschaft – ein Traum! Ohne Schneeschuhe käme man hier kaum voran. Schon prima, dass irgendein kanadischer Trapper dieser Dinger erfunden hat.

Vereister Njupeskär im Fulufjäll
Durch das tief verschneite Fulufjäll zum Njupeskär - Schwedens höchstem Wasserfall
Durch das tief verschneite Fulufjäll zum Njupeskär - Schwedens höchstem Wasserfall
Vereister Njupeskär im Fulufjäll

Leider ging die Woche viel zu schnell vorbei – gerne wäre ich noch geblieben. Habe ich doch auf’s Polarlicht gewartet, das sich diese Woche leider hinter den dichten Wolken versteckt hat. Doch ich komme wieder, ganz sicher. Vielleicht zu einem weiteren Outdoor-Fotokurs – wir werden sehen.

Mein Fazit zu dieser Reise:

Der Outdoor-Fotokurs mit Thomas war großartig. Jeden Tag mindestens eine Stunde Theorie, die wir in unterschiedlichen Aufgaben bei den verschiedenen Tagestouren versuchten, in die Praxis umzusetzen. Dazu ein Nachmittag im Wintergarten des Haupthauses, an dem wir gemeinsam unsere Fotos betrachtet und Optimierungsmöglichkeiten besprochen haben. Und am Ende kamen sogar bei mir ganz nette Fotos raus. Ich habe viel gelernt, DANKE Thomas dafür!

Organisation, Verpflegung, Touren, Unterkunft, alles war tiptop. DANKE an Till, den Organisationskünstler! Micha und Maui, die beiden Köche, haben uns herzlichst und liebevoll von morgens bis abends verwöhnt – auch euch ein großes DANKE dafür!